Wiener Zeitung: Leitartikel von Reinhard Göweil: "Guten Morgen, Europa!"

Ausgabe vom 3. Februar 2010

In der Europäischen Union leben 495 Millionen Menschen, knapp acht Millionen davon in Österreich. Diese Menschen leben gerne, gehen zur Schule, später zur Arbeit, gründen Familien, treffen sich mit Freunden, wollen sich Bücher, Handys, Autos und Wohnungen kaufen. Dazu nehmen sich diese Menschen Kredite auf, im Vertrauen auf ihre Arbeitskraft. Genau das ist der Grund, warum es niemandem egal sein kann, wie die EU mit den Problemen Griechenlands umgeht.

Die Zinsen für die Staatsschuld in der Eurozone steigen, jetzt einmal in den Problemländern. Doch wenn das Zinsniveau insgesamt steigt, dann müssen die Staaten mehr Geld dafür ausgeben. Und dieses Geld fehlt dann, um Schulen und Breitband-Internet zu bauen, um etwas gegen Arbeitslosigkeit zu unternehmen, um Kultur zu fördern, oder - auch das gibt es - Steuern zu senken.


Wenn die EU-Kommission nun überlegt, mit einem Befreiungsschlag eine Euro-Anleihe zu begeben, um den ärmeren Ländern damit unter die Arme zu greifen, so sollte das allen recht sein. Wer morgen beim Wirt sitzt und ein Bier trinkt; oder irgendwo Skifahren ist, dem wird das Getue komisch vorkommen. Die Griechen sollen ihren Pallawatsch alleine erledigen, was geht mich das an?


Falsch gedacht. Unabhängig davon, ob Österreich Mitglied der Europäischen Union wäre oder nicht, haben sich die Gesellschaften (nicht nur die Wirtschaft) Europas so vernetzt, dass es niemandem mehr egal sein kann, was anderswo am Kontinent passiert. Die Regierenden versuchen manchmal, dies zurechtzurücken, um ihre eigene Position glänzen zu lassen, aber dies ist bloß Eitelkeit. Damit sich Europa selbst schützt, muss Griechenland beschützt werden (und Portugal und Italien). Die europaweite Anleihe muss kommen, um der Spekulation der bereits wieder unverschämten Finanzmärkte die Grenze zu zeigen.


Die EU machte dies bereits einmal, bei ihrer sogenannten Zahlungsbilanzhilfe für Osteuropa. Österreich hat sich - wegen der starken Verflechtung mit den Ländern - durch diese Maßnahme der Union Milliardenverluste erspart. Diese Erfahrung wird nun weitergegeben, daher wird Österreich wohl zu den starken Befürwortern einer solchen Euro-Anleihe gehören.


Alle Beiträge dieser Rubrik unter: www.wienerzeitung.at/leitartikel


Rückfragehinweis:
Wiener Zeitung
Sekretariat
Tel.: +43 1 206 99-474
mailto:redaktion@wienerzeitung.at
www.wienerzeitung.at


Digitale Pressemappe: http://www.ots.at/pressemappe/454


*** OTS-ORIGINALTEXT PRESSEAUSSENDUNG UNTER AUSSCHLIESSLICHER INHALTLICHER VERANTWORTUNG DES AUSSENDERS - WWW.OTS.AT ***


OTS0252 2010-02-03/18:39




















Kalender

<< Februar 2012 >>
MonDieMitDonFreSamSon
  12345
6789101112
13141516171819
20212223242526
272829    

Tools

Share Locations of visitors to this page