Neues Volksblatt: "Nagelprobe" (von Werner Rohrhofer)

Ausgabe vom 4. September 2010

Der humanitäre Standard einer Gesellschaft zeigt sich an verschiedenen Parametern. Einer davon ist die Art und Weise, wie die jeweilige Gesellschaft mit ihren kranken und alten Mitgliedern verfährt. Wie die Betreuung und Pflege organisiert wird. Und wie sie finanziert wird. Denn die besten Absichten nützen nichts, wenn nicht für die erforderlichen Geldmittel gesorgt ist. Und gerade in diesem Bereich ist Planen über den Kirchturm der nächsten Wahlen hinaus erforderlich. Das gilt sowohl für die Finanzierungsmodelle - Stichwort bundesweiter Pflegefonds - als auch für Maßnahmen, um mittelfristig genügend Pflegepersonal zur Verfügung zu haben. Denn wenn nicht heute für den Pfleger-Nachwuchs Sorge getragen wird - durch entsprechende Ausbildungsmöglichkeiten, aber auch durch eine attraktive Entlohnung - dann wird man nicht morgen oder übermorgen das erforderliche Personal aus dem Hut zaubern können. So gesehen wird der Bereich der Pflege auch zur Nagelprobe für die Politik. Hier muss sie zeigen, dass sie in der Lage ist, über den Tag hinaus und nachhaltig strukturelle Weichen zu stellen. Vor allem aber darf ein Bereich wie die Pflege nicht zum politischen Spielball werden. Vielmehr ist hier gemeinsames Agieren über die Parteigrenzen hinweg angesagt.
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