Tumpel zum Europatag: Die EU hat nur als Sozialunion eine Zukunft

Heutiges Treffen der Staats- und Regierungschefs der Euro-Zone muss
Weichen für eine konsequente Wachstumspolitik stellen

"Der 9. Mai ist diesmal ein Entscheidungstag für Europa. Die Krise der Währungsunion ist dramatisch, aber nicht unüberwindbar. Wir müssen endlich den Konstruktionsfehler bei der gemeinsamen Währung korrigieren. Nur eine konsequente Wachstumspolitik im Rahmen einer besseren wirtschaftspolitischen Koordinierung in der EU kann verhindern, dass das europäische Projekt scheitert", sagt AK Prä-sident Herbert Tumpel anlässlich des Europatages. Angesichts von 24 Millionen Arbeitslosen in der EU muss die Bekämpfung von Arbeitslosigkeit ein Hauptanliegen der EU sein. Dazu braucht Europa ein neues Wachstumsmodell und nicht ein vorzeitiges Zurückfahren der Konjunkturmaßnahmen. "Wenn jetzt überall in Europa nur noch gespart wird, könnte das die Effekte der bisherigen Konjunkturmaßnahmen zunichte machen", warnt Tumpel.

"Ich erwarte mir vom heutigen Treffen der Staats- und Regierungschefs der Eurozone ein klares Signal, dass die Belebung der Konjunktur und die Senkung der Arbeitslosigkeit absolute Priorität haben. Nur dann kann es gelingen, die Budgetdefizite wieder in den Griff zu kriegen", sagt Tumpel. Gleichzeitig müsse endlich mit der Bankenabgabe und der Finanztransaktionssteuer Ernst gemacht werden. Außerdem muss es eine Neuordnung und Regulierung der Finanzmärkte geben, so Tumpel. "Den Menschen unglaubliche Las-ten aufzuhalsen und die Banken und Finanzakteure nicht für die Kosten der Krise bezahlen zu lassen, ist eine politische Torheit, die die soziale Krise verschärfen wird", kritisiert Tumpel. Er fordert weiter, die größte Krise seit Bestehen der Union dafür zu nutzen, endlich einen europäischen Rahmen für eine Sozialunion zu schaffen. "Europa hat nur als Sozialunion eine Chance", so Tumpel.


Im Kern geht es um folgendes:


+ Eine neue Wirtschaftspolitik muss die einseitige Ausrichtung der Geld- und Fiskalpolitik auf Inflationsbekämpfung und Haushaltsdisziplin überwinden und Wachstum, Vollbe-schäftigung und Preisstabilität als gleichrangige Ziele verfolgen. Es geht dabei um eine dauerhafte Stärkung der Binnennachfrage im Rahmen einer besseren wirtschaftlichen Koordinierung auf europäischer Ebene. Dazu gehört auch eine Neuordnung und Regulierung der Finanzmärkte. + Eine solidarische Tarifpolitik muss die jeweiligen nationalen Verteilungsspielräume ausschöpfen und damit Lohndumping vermeiden. + Eine EU-Steuerpolitik muss mit einheitlichen Bemessungsgrundlagen und einheitlichen Steuersätzen Unterbietungswettbewerbe beenden. + Ein "Protokoll für den sozialen Fortschritt" muss festschreiben, dass die Grundfreiheiten des Binnenmarkts nicht über den sozialen Grundrechten stehen. + Die EU braucht ein soziales Aktionsprogramm mit dem Ziel der Verbesserung der Lebens- und Arbeitsbedingungen und wirksame Maßnahmen gegen Sozialdumping.


Rückfragehinweis:
AK Wien Kommunikation
Ute Bösinger
Tel.: (+43-1) 501 65-2779
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